Wir in Ost und West Bericht aus der Praxis eines Social-Media Projekts zur deutsch-deutschen Geschichte

Former Berlin Wall route, Zimmerstraße, Berlin

Former Berlin Wall route, Zimmerstraße, Berlin

Foto: Getty Images/ Hans-Peter Merten

2024 und 2025 sind wichtige Jubiläumsjahre der deutschen Geschichte: 75 Jahre Grundgesetz, 35 Jahre Friedliche Revolution, 35 Jahre Vereinigung. Für viele junge Menschen klingen diese Daten aber wie Kapitelüberschriften in einem Geschichtsbuch – weit weg vom eigenen Alltag. Gleichzeitig ist die Wahrnehmung von „Ost“ und „West“ nach wie vor präsent: in Wahlanalysen, Medien oder Klischees – erlernte Zuschreibungen wirken fort; Abgrenzungen nach alten Mustern kommen sogar neu hinzu.

Hier setzt @wir_in_ost_und_west auf Instagram an. Das Bildungsprojekt will Jugendliche zur Beschäftigung mit der deutsch-deutschen Geschichte anregen, Klischees hinterfragen und dadurch politische Teilhabe und Medienkompetenz stärken. Es wird von der Eduversum GmbH in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur umgesetzt. Gefördert wird das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland.

Der Kanal erreicht junge Menschen dort, wo sie sich oft bewegen – in den sozialen Medien. Info-Postings, Reels und Memes wecken das Interesse an Geschichte, regen zur Auseinandersetzung mit der DDR und der Bundesrepublik an, zeigen Gemeinsamkeiten und regionale Unterschiede. Niedrigschwellige, lebensweltnahe Wissensvermittlung und Austausch sollen das gegenseitige Verständnis auf Augenhöhe und das Verständnis von kollektiver Identitätsbildung stärken – auch durch Kontroversen und Diskussionen.

Hinter den Kulissen von @wir_in_ost_und_west 

Der Kanal @wir_in_ost_und_west ist das Herzstück des Projekts. Dort wird historisch-politisches Wissen faktenbasiert, lebensweltnah und diskussionsoffen vermittelt. Zentral ist zudem der Austausch mit der Community: Kommentare, Abstimmungen und Fragerunden binden die Follower aktiv ein.

Ein Peer-to-Peer-Ansatz sorgt für Authentizität: Zwei junge Frauen aus Ost- bzw. Westdeutschland moderieren den Kanal, bringen ihre Perspektiven ein und eröffnen Denkanstöße. Sie sprechen die Sprache der Community und stellen Fragen, um Fakten im Kontext zu präsentieren. Dies reflektiert, dass deutschdeutsche Geschichte bis heute vor allem privat „am Küchentisch“ vermittelt wird. Der quellenbasiert, multiperspektivisch und visuell mit authentischem Bildmaterial arbeitende Kanal knüpft deshalb an diese Situation an.

Die Inhalte bewegen sich zwischen historischen Ereignissen, heutigen Lebensrealitäten und jugendlichen Interessen. Der Kanal beleuchtet regionale Vielfalt, fragt alltagsgeschichtlich nach Konsum und Arbeitswelten, vergleicht politische Strukturen und Erinnerungskulturen, zieht protestgeschichtliche Linien von Friedensgebeten und Montagsdemos bis Fridays for Future und thematisiert die Einwanderungs- und Transformationserfahrungen. Jahrestage, Trends und Community Impulse fließen dabei als Anlässe kontinuierlich ein. So entsteht ein wachsender Mix aus Fakten und Debatten.

Eduversum
Das Team: Janina Franke (rechts), Frauke Hagemann (Mitte), Minalde Wagner (links) und Frederic Zauels (nicht im Bild). Die Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt mit ihrer fachlichen Expertise und ihrem Netzwerk.