Ein Blick zurück ins Jahr 1989: Schon lange waren viele Menschen in der DDR unzufrieden: Sie wollten Demokratie und Freiheit, der wirtschaftliche Niedergang der DDR ließ sich nicht mehr leugnen. Allmählich bildeten sich Oppositionsgruppen zu verschiedenen Themen, die Protestaktionen durchführten.
Im Sommer 1989 fanden sie mehr und mehr zusammen und zogen mit öffentlichen Aktionen immer mehr Menschen an. Die Friedliche Revolution entwickelte sich aus ganz unterschiedlichen Wurzeln und brachte Menschen zusammen, die sehr vielfältige Vorstellungen der Zukunft hatten. Sie alle aber waren verbunden im festen Willen, Demokratie und Freiheit einzufordern. Damit gingen sie ein großes persönliches Risiko ein, denn es war nicht klar, ob die DDR-Regierung Waffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen würde.
Die Friedliche Revolution stand in einem internationalen Zusammenhang
Aber gemeinsam ließen sich die Oppositionsgruppen nicht mehr unterdrücken. Aus kleinen Anfängen wuchsen Demonstrationen mit Hunderttausenden von Menschen im ganzen Land. Mit den Rufen „Wir sind das Volk“ hatten die Demonstrationen begonnen. Daraus wurde später „Wir sind ein Volk“.
Die Friedlichen Revolution von 1989 in der DDR wurde von einer breiten Bewegung getragen und sie stand in einem größeren internationalen Zusammenhang. Das zeigen folgende ausgewählte Meilensteine:
Am 19. August 1989 fand im ungarischen Sopron an der Grenze zu Österreich das sogenannte Paneuropäische Picknick statt. Es rief Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern dazu auf, für ein freies und friedliches Europa einzutreten.
Mit Zustimmung ungarischer und österreichischer Behörden wurde an diesem Tag ein Grenztor symbolisch für drei Stunden geöffnet. Dadurch konnten über 600 DDR-Bürgerinnen und -Bürger in den Westen fliehen. Die Aktion wurde weltweit als das erste Loch im Eisernen Vorhang zwischen den Machtblöcken wahrgenommen. Dieser Test der ungarischen Regierung zeigte, dass die Sowjetunion nicht mehr eingriff, um die Freiheitsbestrebungen in ihrem Machtbereich aufzuhalten.
Die Dynamik, die die Bürgerinnen und Bürger in diesen Tagen ausgelöst haben, war enorm und beeindruckte Menschen auf der ganzen Welt. Im Ergebnis erlangte Deutschland seine vollständige Souveränität und konnte am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung feiern. Die Friedliche Revolution von 1989 wird damit zur Weltgeschichte.
So erreichten die Menschen in der DDR ihr Ziel: Demokratie und Freiheit in einem wiedervereinigten Deutschland. Nach fast vier Jahrzehnten fielen erst Reisebeschränkungen und wenig später die Grenzanlagen. Die Symbole von Teilung und Unterdrückung verschwanden, demokratische Strukturen entstanden.
Die Ostdeutschen haben sich Freiheit und Demokratie erkämpft
Seitdem leben wir in einem neuen Deutschland, inmitten der Europäischen Union, die überwiegend von Freundschaft und Partnerschaft geprägt ist. Darauf mussten die anderen ehemaligen Staaten des Ostblocks bis 2004 mit der EU-Osterweiterung warten.
Die Ostdeutschen haben sich die Freiheit und die Demokratie erkämpft. Seitdem ist viel passiert. Die Ostdeutschen haben die Freiheit und die Gestaltungsräume in der Demokratie genutzt und mit harter Arbeit, Gründergeist und Kreativität viel erreicht. Ostdeutschland ist jetzt eine Zukunftsregion, die internationale Großinvestoren anzieht. Aber die Ostdeutschen haben auch ihre regionalen Identitäten und Lebensweisen eingebracht: Bis heute gibt es noch viele Herausforderungen beim weiteren Zusammenwachsen unseres Landes: Wir sind dabei geprägt von vielen unterschiedlichen Regionen mit eigenen Stärken und Erfahrungen, die vereint sind in Demokratie und Freiheit. Heute stehen sich nicht mehr Ost- und West gegenüber, sondern Deutschland ist geprägt von vielen unterschiedlichen Regionen mit eigenen Stärken, die vereint sind in Demokratie und Freiheit.
Das haben wir auch denjenigen zu verdanken, die vor 35 Jahren mit der Friedlichen Revolution diese besondere Geschichte möglich gemacht haben.