Der historische Matthias-Erzberger-Saal im Bundesfinanzministerium ist auf besondere Weise mit der ostdeutschen Geschichte verwurzelt. Hier erklärte DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht im Juni 1961: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ Nur zwei Monate später trennte eine Mauer die beiden deutschen Staaten. Das genau an diesem Ort am 12. März 2026 mehr als 200 Entscheiderinnen, Führungskräfte und Impulsgeberinnen zusammenkommen, ist ein starkes Zeichen für einen gesamtdeutschen Dialog. Dazu hatte die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland gemeinsam mit PANDA, dem Women Leadership Network, eingeladen. Seit 35 Jahren ist Deutschland wiedervereint, doch immer noch bestimmen strukturelle Unterschiede das Verhältnis von Ost und West. Auch im Bereich der Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft zeichnet sich immer noch ein zu geringer Anteil von Ostdeutschen ab. Dabei können vor allem ostdeutsche Frauen eine besondere Rolle bei der Angleichung der Verhältnisse spielen. Denn sie stellen besonders viele Ostdeutsche in Führungspositionen, dank starker Vorbilder, dem hohen Anteil der Frauenerwerbstätigkeit und der gut ausgebauten Betreuungsinfrastruktur.
Den Abend eröffnete Eter Hachmann. Die Vorsitzende des DAMOst (Dachverband der Migrant*innnenorganisationen in Ostdeutschland) und Beigeordnete für Soziales, Bildung und Senioren der Stadt Dessau-Rosslau warb dafür, bei dem gegenseitigen Blick auf Ost und West den Fokus mehr auf die positiven Entwicklungen zu lenken. Bei einer anschließenden Paneldiskussion, moderiert von PANDA-Gründerin Isabelle Hoyer, diskutierten Katja Dietrich, die Oberbürgermeisterin von Weißwasser, mit Tuesday Porter, Aufsichtsrätin bei TÜV Nord AG, Prof. Timo Meynhardt (Wirtschaftspsychologie und Führung, Handelshochschule Leipzig), Frederik Fischer von Neulandia und Staatsministerin Elisabeth Kaiser.
In der Diskussion ging es um die Bedeutung und Potenziale der ländlichen Räume in Ostdeutschland für die weitere gute Entwicklung der Region, die Notwendigkeit gegenseitige Vorurteile in Ost und West stärker abzubauen, sowie die Rolle neuer Netzwerke und stärkerer institutioneller Förderung für die Karrierewege von Ostdeutschen. Eine zentrale Erkenntnis bestand darin, dass ohne die Sensibilisierung für diese Themen kein echter Wandel gelingen kann. So empfahl eine Zuhörerin, mehr Bücher über Ostdeutschland im Westen zu verschenken und Staatsministerin Kaiser versprach im Rahmen ihrer Amtszeit auch verstärkt Termine in Westdeutschland wahrzunehmen. Am Ende blieb nach einem inspirierenden Abend ein zentraler Gedanke zum stärkeren Austausch zwischen Ost und West: Dialog entsteht nicht von alleine, wir müssen ihn selbst immer wieder neu beginnen.